4. Mai 2024 – Einfach darüber reden


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"Ich hätte klarer dafür einstehen müssen, dass ich Kinder will. Schlussendlich ist unsere Ehe daran zerbrochen, dass die ungeklärte Frage, ob er mit mir eine Familie gründen möchte, mich innerlich stets mehr von meinem Mann entfernt hat."

Auch über diese Distanz haben die beiden nicht gesprochen. Unbewusst wahrgenommen hat er sie dennoch.
Vielleicht hat er sich deshalb auf einmal in eine andere Frau verliebt.

Eine übrigens, die ihm ganz klar gesagt hat, dass sie Kinder will.
Diese klare Ansage hat ihn zum Nachdenken gebracht und er hat sich zum ersten Mal richtig mit der Frage auseinandergesetzt.

Die Nachricht, dass ausgerechnet dieser Mann jetzt Vater wird, erschütterte die Frau tief und führte sie nach einigen Umwegen zu mir. Ich darf sie jetzt dabei begleiten, zu sich selbst zu finden, ihren Selbstwert aufzubauen und herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte.

Was sie erfüllen könnte.
Aufs Mutter werden will sie als Single-Frau über 40 nicht mehr setzen.

Es wird eine längere Begleitung, die zu Beginn einer mühsamen Wanderung im Dunkeln gleicht. Welche Freude, dass inzwischen die ersten Sterne funkeln und in der Ferne so etwas wie ein Morgenlicht sichtbar wird!

Einen Gegensatz dazu bildet das Paar, das mich nur für ein paar wenige Sitzungen beansprucht. Übers Ja oder Nein zu gemeinsamen Kindern haben sie schon viel gesprochen, mit einer Entscheidung tun sie sich aber schwer.

Obwohl sie das Thema schon seit Jahren wälzen, tauchen schon in der ersten Sitzung Aspekte auf, die sie noch nicht bedacht haben.

Gewisse Gedanken treten erst im eigens dafür geschaffenen Gesprächsrahmen ans Licht.
Dieser Rahmen führt dazu, dass Gespräche zwischen Paaren anders verlaufen als üblich.

Nun kommt auch das ein oder andere auf den Tisch, das man dem andern bisher einfach noch nicht zu sagen getraut hat. Manchmal braucht es den geschützten Rahmen einer begleitenden Person, der genug Sicherheit gibt, um gewisse Dinge aussprechen zu können.

Dadurch, dass ich an bestimmten Stellen nachfrage, geht es auf einmal in die Tiefe. Das Gespräch verlässt den gewohnten Kreis, in dem es sich sonst dreht.
In der Tiefe schlummern Dinge, die wir uns manchmal nicht einmal selbst eingestehen. Geschweige denn der Partnerin/dem Partner. Dinge, die zu gefährlich scheinen.

Meine Aufgabe ist es dann, die Bomben zu entschärfen, die auf einmal sichtbar werden. Beim genauen Hinsehen entdecken wir meist Möglichkeiten, sie zu entschärfen. Oder wir merken, dass etwas gar nicht so explosiv ist wie befürchtet.

Nicht darüber reden bedeutet, die Bombe einfach in sich schlummern und vor sich hin ticken zu lassen. Früher oder später wird sie hochgehen. Oder der Sprengstoff wird einen innerlich zerfressen.

Dass viele Respekt davor haben, in einer Paarbeziehung zentrale Themen anzusprechen, bei denen die Meinungen auseinandergehen können, ist verständlich.

Die Gefahr ist gross, dass dabei Dinge ans Licht kommen, die den anderen verletzen könnten, "triggern" wie das gerne genannt wird.
Das Triggern führt dazu, dass man emotional reagiert und den andern damit ebenfalls verletzt.

Die Lösung ist nicht, dass man "sachlich" miteinander spricht. Starke Emotionen zeigen, dass es um etwas Wichtiges geht. Die Lösung ist, dass man hinschaut, wenn es verletzt.

Das ist natürlich ein gefährliches Terrain. Viele von uns haben irgendwann die Erfahrung gemacht, dass es sich dann hochschaukelt, die Verletzungen gröber werden, die Gesprächsbereitschaft sich verabschiedet und die Fronten sich verhärten.

Kein Wunder scheut man nach solchen Erfahrungen offene Gespräche.
Als Begleiterin sorge ich dafür, dass das Betreten dieses gefährlichen Terrains auf eine sichere Art geschieht.
So können sich Aspekte zeigen, die sonst verborgen bleiben. Statt dass man aufeinander losgeht, wächst das gegenseitige Verständnis.
Manchmal macht es einfach Sinn, mit einer begleitenden Person zu sprechen. Eine, die Bomben entschärfen und bei der Übersetzung helfen kann.

Übrigens begegne ich folgendem Phänomen immer wieder:

Der Teil eines Paares, der Kinder möchte, rechnet heimlich damit, der andere werde diesen Wunsch bei sich schon auch noch entdecken. Oder reif dafür werden.
Ich hab mich selbst mal bei solchen Gedanken erwischt – ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass der geliebte Mensch tatsächlich und endgültig keine gemeinsamen Kinder will.

Und der Teil, der keine will, geht davon aus, dass der Wunsch beim anderen sich von selbst legt. Schliesslich ist es so schön zu zweit, es kann doch nicht sein, dass der andere diesen Frieden opfern will?

In beiden Fällen kann es tatsächlich sein, dass der andere noch umschwenkt. Dies geschieht jedoch selten und nicht durch Manipulations- oder Überzeugungsversuche.

Kommen dir diese Beobachtungen bekannt vor?
Was hast du diesbezüglich schon erlebt?


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