Eine Vorstellungsrunde der besonderen Art
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Wieder ein Logosynthese-Seminar, wie schon 3 Wochen zuvor.
(Da hatte ich berichtet, wie es war, die einzige OK-Frau unter lauter Müttern zu sein)
Diesmal erfahre ich weniger Privates von den Teilnehmerinnen.
(Ja, es sind wieder lauter Frauen, inkl. Dozentin)
Keine hat bei der Vorstellungsrunde ihre Kinder erwähnt.
(Von zwei TN erfahre ich im Laufe der Tage zufällig, dass sie Mütter sind)
Am 3. und letzten Tag taucht die Frage auf, ob einer Erweiterung der Vorstellungsrunde gewünscht ist.
(Ich mache versehentlich den Anfang, weil ich berichte, dass ich beim letzten Seminar die einzige OK-Frau gewesen war und ich nun noch keine Ahnung habe, ob das hier auch so ist, was mir den Eindruck gibt, wenig von den andern zu wissen.)
Ich erkläre meinen Fokus auf diesen Unterschied durch meine berufliche Tätigkeit und mein Bewusstsein dafür, dass OK-Frauen sich in einer Mütterrunde manchmal aussen vor fühlen.
(Damit gebe ich unbeabsichtigt das Thema der erweiterten Vorstellungsrunde vor.)
Zwei der Frauen erzählen, dass sie gerade in der Pause darüber gesprochen haben, dass sie sich damals als junge Frauen (sie sind beide 60) für ihre Kinderlosigkeit ständig haben rechtfertigen müssen. Dass das zu jener Zeit von einer Frau einfach erwartet wurde, dass sie Mutter wird.
(Mir geht dabei durch den Kopf, dass es auch heute noch viele junge Frauen so empfinden.)
Die dritte, jüngere berichtet, dass bei ihr einfach nie der Wunsch aufgekommen sei, eine Familie zu gründen.
Heute sieht sie, dass sie damit wohl intuitiv verhindert hat, ihre Traumata an eigene Kinder weiterzugeben. Denn zu dem Zeitpunkt, wo es in Frage gekommen wäre, sei sie in der Verarbeitung ihrer Themen noch nicht weit genug gewesen.
Jeder Bericht war eindrücklich und berührend. Besonders wertvoll empfand ich aber das "Geständnis" der Dozentin: "Ich habe als eine der ersten in meinem Umfeld Kinder bekommen. Und heute sehe ich, dass ich meine Kinder oft als Ausrede benutzt habe. Als Ausrede, irgendetwas nicht zu tun, irgendwo nicht teilzunehmen, aber auch, bei mir selbst länger nicht hinzuschauen und mich zu verstecken, statt das zu tun, wofür ich eigentlich hier bin in diesem Leben."
(Wow, das mit den Ausreden höre ich ja OK-Frauen teils klagen – und da sagt eine Mutter gerade von sich aus, dass sie es heute so sieht)
Die eine der 60-Jährigen beschreibt, dass ihre Kinderlosigkeit gerade aktuell wieder ein Thema ist, wo sie ihr Leben unter anderem nach der Trennung von ihrem Mann komplett neu sortiert.
Die andere erzählt von ihrem grossen Freundeskreis und dass der ihr ein Gefühl von Familie vermittelt.
Eine weitere beginnt mit: "Ich hätte gern Kinder gehabt", ihre Stimme wird etwas brüchig, das Thema scheint sie zu berühren. "Aber es sollte nicht sein. Mein Weg war ein anderer. Und ich war immer in Kontakt mit Kindern, habe auch mit ihnen gearbeitet und bin mehrfache Patin. Ich liebe Kinder."
Die Kinderlosen sind diesmal die Regel, die Mütter die Ausnahme.
Die zweite Mutter in der Gruppe sagt, sie hätte ein kinderloses Leben geplant gehabt. Schliesslich wollte sie als junge Frau Novizin werden und ihr Leben im Kloster verbringen. Im letzten Moment lernte sie ihren Mann kennen und wurde kurz darauf schwanger.
So wurde diese Vorstellungsrunde ein wunderbar offener Austausch übers Muttersein oder OK-Frau sein.
Ich wünschte mir, es dürfte immer so tief gehen, wenn die Frage gestellt wird, wer von den Anwesenden denn Kinder hat.
Erstellt am 7. März 2026
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